Dienstag, 25. August 2009
Dinett
Nachdem ich seit Jahren hinter einer Original - Dinett von Bremshey her bin wie der Teufel hinter der Seele, überraschte mich meine Frau nach einer kurzen Einkaufsfahrt mit einer solchen, die sie beim "Trödler um die Ecke" gefunden hatte.

Für eine Stunde zog sie sich dann noch zu einer Orgie mit Putzstein und Rolltischchen zurück und präsentierte mir dann einen fast neuwertigen Gegenstand meiner obskuren Begierden.

Nun haben wir die Dinett im täglichen Einsatz.



Als ich jüngeren Kollegen von diesem Neuerwerb erzählte, stellte sich heraus, dass viele von ihnen noch eine im Keller oder auf dem Speicher stehen haben - in allen möglichen Ausführungen. Für die ist solch ein Beistelltisch noch kein Kultgegenstand, sondern eine alte Haushaltsutensilie. Obwohl - bei einigen sah ich plötzlich ein leichtes Leuchten in den Augen ...

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Montag, 24. August 2009
Herrmannsdenkmal und Externsteine
Da wir am Tag des Kunsthallenbesuches schon einmal in der Gegend waren und da das Wetter es prächtig mit uns meinte, ließen wir einen Besuch des Herrmannsdenkmals und der Externsteine folgen.

Wie man sieht, wurde in Bielefeld auf besonderen Wunsch einer einzelnen Dame eine Kappe käuflich erworben, die ich fürderhin bei offener Kutsche zu tragen habe ...



Anders als vor ca. 40 Jahren bei einem Schulausflug, als mir der Weg zum Herrmann unendlich weit erschien, erreicht man die Plattform heute über einen bequemen Fußweg vom nahen Parkplatz aus, vorbei am Denkmal Ernst von Bandels, des Erdenkers und Erbauers



über den Gedenkstein zur Eröffnung am 16. 8. 1875, einem Jahr vor von Bandels Tod



kommt man um den Herrmann herum, der dem Nahenden zunächst den Rücken zudreht, zu folgenden Anblicken:







Bei tief stehender Sonne schauten wir uns als Abschluss des Tages die Externsteine an, ein unvergessliches Erlebnis. Wir wären gern länger geblieben, aber auch hier animierten die Wespen wie am Herrmann nicht gerade zum Verweilen.











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1968. Die große Unschuld: Ausstellung in der Kunsthalle Bielefeld
Anfang August durften wir in Bielefeld die für uns in diesem Jahr eindrucksvollste Ausstellung erleben.



Unter dem Titel "1968. Die große Unschuld" waren bis zum 8. 8. 2009 300 Werke von über 150 internationalen Künstlern zu sehen. Leider gab es hier - wie in vielen anderen Museen mittlerweile auch - ein Fotografierverbot, sodass wir nur einige Außenaufnahmen der Halle machen konnten.



Vor dem Eingang hing eine der Architekturskulpturen, die mit an Raumanzüge angelehnte Ballons "weitaus perfekter als jedes Gebäude" sein und ein "Maximum an Mobilität" bieten sollen, wie HANS HOLLEIN 1967 in seinem Manifest "Alles ist Architektur" schrieb. Ausgestellt waren unter anderem Werke von ARCHIGRAMM. COOP HIMMELB(L)AU und CHRISTO.

Ein Durchgangssaal zeigte unter dem Titel "Jäger, Sammler, Malerfürsten" Exponate von BASELITZ, PENCK und LÜPERTZ.

ANSELM KIEFERS "Heroische Sinnbilder" sind auch heute noch eine Provokation, da in jedem der - zunächst harmlos anmutenden - Motive ein Mann mit zum Hitlergruß erhobener Hand zu sehen ist.

Über JOSEF BEUYS und seine Schüler gelangte man zu den österreichischen Aktionskünstlern, die es im extrem konservativen Wien durchaus darauf anlegten, von der Polizei verfolgt zu werden. Als OTTO MÜHL und GÜNTER BRUS ihre Aktionen in der Wiener Universität einem akademischen Publikum vorführten - unter anderem wurden wirklich alle körperlichen Vorgänge live demonstriert und auf Film festgehalten - reagierte der österreichische Staat nach einer medialen Hetzkampagne mit der Verhaftung und Verurteilung der Künstler.
Aktion von Günter Brus und Kurt Kren von 1965 (youtube), die bei der Ausstellung nicht gezeigt wurde, darf als Beispiel dienen



Sehr eindrucksvoll waren auch die "Big Electric Chair(s)" von ANDY WARHOL, 1967 als Schwarz-Weiß-Druck auf farbig grundierter Leinwand geschaffen und vor allem auch die Räume, in denen die Auseinandersetzung amerikanischer Künstler mit dem Vietnamkrieg gezeigt wurden. Mir - der den Krieg als damals ca. 10 - jähriger im Fernsehen miterlebt hat - lief mehr als ein kalter Schauer den Rücken hinunter.

Interessant der Raum mit "Arte Povera", armer Kunst aus Italien. Hier ist mir besonders das Werk "Senza titolo (Struttura che mange) [Ohne Titel(Essende Struktur)]" von GIOVANNI ANSELMO in Erinnerung geblieben, eine Salat essende Skulptur, bestehend aus einer Granitsäule, einem Granitblock, Kupferdraht, Sägemehl und eben jenem Kopfsalat, der immer wieder ausgetauscht werden muss, wenn er zwischen den Blöcken weg ins Sägemehl fällt. Sehr lebendig ... im wahrsten Sinne des Wortes.
Ebenso lebendig erschienen die zwischen Glasscheiben geklemmten Salamischeiben und Schokoladentafeln, die seit 1968 vor sich hin gären dürfen!

Der Bereich Licht zeigte in weiten Bereichen die Farbenwelt der späten 60er Jahre mit Gelb, Orange und Rot sowie Schwarzlicht in Neon - Installationen zum Beispiel von DAN FLAVIN. Eine andere Welt betrat man in dem völlig in weiß gehaltenen Raum, in dem DOUG WHEELER´S "Light Encasement", ein Quadrat aus Acrylglas und bläulichen Neonröhren, installiert war. Ätherisch schön!
Fremdvideo (youtube) zu Light Encasement Das Video kann höchstens eine Anmutung der wirklichen Installation wiedergeben

Für mich persönlich waren auch die Silbergelantine - sw - Abzüge verschiedenster Künstler sehr interessant, die man aber auch nicht aufnehmen durfte. Ich habe dann die Regel ein klein wenig gebrochen und selbst eine Schwarz - Weiß - Aufnahme eines mir nahe stehenden Gesamtkunstwerks geschossen.



Trotz Wespen war die Terrasse des Museums mit dem schönen Ausblick einen Besuch wert.





EDIT: Einige Beispiele aus youtube

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Mittwoch, 19. August 2009
arte - Die letzte Bastion ist gefallen
Mittwoch, 19. 8. 2009, 0:04 Uhr

Soeben fiel die letzte Bastion zumindest (pseudo)intellektuellen Fernsehens.
Alle Scham- und Geschmacksgrenzen wurden im Rahmen der Musikreihe "Summer of 80´s" überschritten, als die Quizfrage

Welchen großen Hit sang Nena:

a) Kids in America
b) 99 Luftballons

gestellt wurde.

Rufen Sie an für 49 Cent ...

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Montag, 17. August 2009
Das Schallplattenarchiv des Paul Mawhinney
Es ist eigentlich eher nicht meine Art, auf Internet - Videos zu verweisen, aber diesen Film finde ich so interessant und gleichzeitig berührte er mich auf eine solche Weise, dass ich ihn hier vorstellen möchte.

Kultur? Ja, ich finde schon, denn eine solche Sammlung an analogen Tonträgern wird es wohl nicht noch einmal geben, sodass es sehr schade wäre, wenn sie irgendwann von Geschäftemachern zerrissen und in kleinen Margen verhökert würde.

Paul Mawhinney ist 69 Jahre alt, so gut wie blind und kann die Sammlung nicht mehr halten. Schaut euch einfach den Film an, den Sean Dunne über ihn und sein Archiv gedreht hat.

EDIT: Leider wurde der Film im Juli 2011 - aus welchen Gründen auch immer - von der Vimeo - Seite entfernt.

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Freitag, 7. August 2009
Museum Insel Hombroich
Das Museum Insel Hombroich in Neuss ist ein Gruppe von Backsteingebäuden, entworfen von dem Bildhauer Erwin Heerich. Sie verteilen sich über einen großen, landschaftlich sehr reizvoll von dem Landschaftsarchitekten Bernhard Korte gestalteten Park. Für eine Besichtigung sollte man sich viel Zeit nehmen und geeignetes Schuhwerk tragen um die Verbindung von Natur, Architektur und Kunst genießen zu können.





Über Parkwege und eine Treppe gelangt man zuerst zum sogenannten Turm.



Die schlichte Architektur des innen ganz in weiß gehaltenen Gebäudes ist sehr beeindruckend, zumal wir in den Genuss kamen, die einmalige Akustik von zwei Kirchensängern demonstriert zu bekommen, die ganz leise Auszüge aus gregorianischen Chorälen sangen. An bestimmten Stellen des Raumes wähnten wir uns in einer Kathedrale und hörten, wenn wir die Augen schlossen, einen ganzen Chor.







Über einen Feldweg gelangt man zum größten Gebäude der Insel, dem Labyrinth, einem zwischen Meter hohen Hecken eingebetteten Gebäude, in dem mehrere Sammlungbereiche, beginnend bei frühgeschichtlicher asiatischer Kunst bis hin zu Corinth, Arp, Picabia, Heerich und anderen.













Über durchaus lauschige Plätzchen führt der Weg weiter zu Anatol Herzfelds Arbeitshaus und seinen Metallarbeiten.











Überall auf dem Gelände verteilt finden sich in die Parklandschaft integrierte Skulturen und Objekte.







Ein Pavillion ist sieben Khmer - Skulpturen aus dem 12. und 13. Jahrhundert gewidmet.



Im Park gibt es auch eine Konzertscheune, in der, als wir da waren, gerade ein Gesangsworkshop stattfand. Das Zuhören war sehr lohnenswert.



Ein ganzer Pavillion ist den teils sehr monumentalen Arbeiten des Malers Norbert Tadeusz gewidmet. Sehr beeindruckend!











Ein weiteres großes Ausstellungsgebäude beherbergt in zwölf Räumen neben Kunstgegenständen aus Übersee wiederum Khmer - Skulpturen und verschiedenste Arbeiten neuerer und neuer Künstler.























Vieles haben wir gesehen, eingehend betrachtet nur Einiges. Sicherlich werden wir unsere Eindrücke irgendwann mit einem weiteren Besuch vertiefen, dann allerdings mit deutlich anderem Schuhwerk!

Vergessen zu erwähnen sollte man auch nicht die mittig gelegene Insel - Caféteria, in der man schnell mit anderen Besuchern ins Gespräch kommt und sich gegen eine freiwillige Spende mit Snacks und Wasser / Tee / Kaffee stärken kann.

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Dienstag, 21. Juli 2009
Ernte
Vom frühen Abend...



... bis spät in die Nacht



Nun sind die Felder wieder kahl:

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Freitag, 3. Juli 2009
[Bücher] Patrick Redmont - Der Musterknabe


Ein Buch über die ganze Brutalität der Normalität des Lebens. Ein Buch über die zerstörerischen Dinge, wenn zwei in solcher Normalität aufgewachsene junge Menschen aufeinander treffen.

Ronnie: der ganze Stolz seiner Mutter, die ihn allein aufzieht, der Musterknabe, in der Schule ein Überflieger, im Leben der höfliche Junge, der es allen recht macht. Im Grunde seines Verstandes lauert aber auch die dunkle Seite, die glaubt, dass er nicht das bekommt, was ihm im Leben zusteht.

Susie: bis zum Tode ihres Vaters lebt sie ein harmonisches, wenn auch eher ärmliches Leben. Der neue Partner ihrer Mutter missbraucht sie über Jahre und es gelingt ihm, Susie davon zu überzeugen, dass sie ein schlechtes Kind ist, das ihn verführt. Susie schweigt, denn wer sollte ihr auch glauben, wenn selbst ihre psychisch kranke Mutter sich nicht einmischt?

So vergeht das ganz normale Leben bis zu dem Tag, als Susie und Ronnie aufeinander treffen, bis Susies Mutter stirbt, bis Suzie "zu alt" für ihren Peiniger ist, bis Suzie befürchten muss, dass dieser sich an dem ihr anvertrauten Nachbarsmädchen vergehen wird.

Ein Buch ohne Happy End, ohne wirkliche Hoffnungsperspektive, aber ich finde, alle normalen Menschen in dieser normalen Welt sollten es gelesen haben.

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